Denkmal in Guntramsdorf – Für Wen?

Denkmal in Guntramsdorf: Wen wollen wir ehren?

Am Kirchenplatz in Guntramsdorf fällt es gleich auf: Ein durchaus ansehnliches Denk- oder Mahnmal – genau gegenüber der Postfiliale.

Doch woran soll es erinnern? Am Objekt selbst ist das nicht ersichtlich. Beschriftungen oder Kontextualisierungen fehlen nämlich. Man findet in zwei Gruppen (1914-1918 und 1939-1945) lange Listen von ausschließlich männlichen Personen. Vielleicht waren es Menschen, die die Heimat verteidigt hatten? Vielleicht waren sie zum Kriegsdienst gepresst worden? Vielleicht waren es Opfer der NS-Herrschaft? Christlichsoziale? Sozialisten? Juden? Vielleicht Widerstandskämpfer? Wir wissen es nicht.

Wir wissen auch nicht, wer es errichtet hat, welches die Ziele der Erinnerung sind. Wir wissen auch nicht, warum ausschließlich Namen von Männern auf den so ansehnlichen Steintafeln aufscheinen – obwohl Männer und Frauen auch in den beiden genannten Kriegen ähnliche Leistungen erbracht haben. Es kann sogar sein, dass Frauen eher mehr für die Gesellschaft „geleistet“ haben wie Männer.

Was wir aber wissen ist, dass jetzt schon viele Wochen lang, zahlreiche Menschen in einer für unsere Generation beispiellosen Pandemie ihr Bestes gegeben haben. Sie haben persönliche gesundheitliche Risiken auf sich genommen und in einem Ausmaß gearbeitet, das oft an ihre Grenzen ging. Manchmal auch weiter.

Sie haben ihre eigenen Belange, ihre Familie, sogar ihr eigenes Leben in die zweite Reihe gestellt und mitgearbeitet, mit dem Ziel, dass wir alle möglichst gut durch diese so schwere Zeit kommen.

Wir kennen die Beispiele. Einige herausragende Menschen hat unsere Gemeinde in ihren Medien bereits geehrt. Zum Beispiel der über achtzigjährige Pensionist, der als Freiwilliger beim Testen und Impfen mitarbeitet. Die als Ärztin und Mutter kleiner Kinder ohnehin ausreichend ausgelastete Frau, die ebenfalls beim Testen und Impfen mitwirkt. Die Gemeindebediensteten, die zu ihren nicht wenigen Aufgaben zusätzlich nicht wenige weitere Aufgaben übernehmen. Die Mitglieder des Gemeinderates und nicht zuletzt der Bürgermeister, die politisch zusammenwirken und als Krisenmanager agieren. Ich möchte dazu anmerken: Mit recht gutem Erfolg.

Das ist alles nicht selbstverständlich, auch wenn das bei einigen dieser Personen vom Gesetzestext her in der „job-description“ steht (bei Ärztinnen und Ärzten, beim Bürgermeister, bei Mitgliedern von Blaulichtorganisationen ..).

Ich bin jeder einzelnen und jedem Einzelnen von ihnen sehr dankbar und rege hiermit an:

  • Gestalten wir ein Denk- oder Ehrenmal für die Helden der Pandemie. Lassen wir KünstlerInnen in unserer Gemeinde und im Umfeld dafür würdige Vorschläge einreichen.
  • Gestalten wir das bestehende Denk- und Mahnmal angemessen um. Wenn das Objekt derzeit nicht klar kommuniziert woran gedacht oder wessen gemahnt wird, hat es seinen Zweck nicht erfüllt.
    Abgesehen davon – inzwischen sind wohl fast alle Witwen der Männer verstorben, deren Namen am Mahnmal stehen. Ihre Kinder – so sie noch leben – werden nach meiner Einschätzung nach in den 1950ern und 1960ern sozialisiert worden sein und wohl einen Wertkanon besitzen, der mit Krieg und Kriegserinnerung wenig gemein hat.
    Den Aspekt, dass die am aktuellen Mahnmal befindlichen Namen möglicherweise nicht durchwegs Ehrung verdienen, will ich hier gar nicht bemühen.

Sollte es zu Diskussionen zwischen Kriegshinterbliebenen und Umgestaltungsbefürwortern kommen: Gut so! Unsere Demokratie lebt von Diskussion. Starten wir einen Wettbewerb der besten Ideen.

Hinsichtlich der Kostenfrage mache ich mir keine Sorgen: Ich bin ziemlich sicher, dass die Guntramsdorfer UnternehmerInnen bereits sein werden für die beschriebene Idee großzügig zu spenden.

In diesem Sinne: Gehen wir es an!

Bericht/Verfasser: Dieter Zoubek