Hundezone Guntramsdorf – ein Projekt ohne Bedarfserhebung

Ich bin seit einem guten Jahr stolze Besitzerin einer inzwischen knapp 16 Monate alten Hündin; sie ist unser erster Hund und entsprechend interessiert beobachte ich in den letzten Monaten die Entwicklungen, die es in Guntramsdorf rund um den Hund so gibt.

Grundsätzlich bietet aus meiner Sicht und persönlichen Erfahrung der Ort ja für Hunde jeglicher Größe optimale Voraussetzungen – man ist so gut wie aus jedem Ortsteil fußläufig nach kurzer Zeit im Grünen und hat mannigfaltige Möglichkeiten, seinen Hund außerhalb des verbauten Ortsgebietes (auch den gesetzlichen Vorgaben entsprechend) frei laufen zu lassen.

Wir haben in den letzten Monaten viele neue Bekanntschaften geschlossen und grundsätzlich positive jedoch auch die eine oder andere negative Erfahrung mit anderen Hundebesitzern und deren Hunden gemacht, wiewohl ich auch sagen muss, dass meine Wahrnehmung wahrscheinlich nicht repräsentativ ist: ich bin mit meiner Hündin nicht auf allen „Hot Spots“ in Guntramsdorf unterwegs; wir haben 5-6 Gebiete, die wir regelmäßig frequentieren.

Guntramsdorf bietet offenbar weit mehr einschlägig bekannte Orte. Dies entnehme ich dem im Frühjahr 2017 veröffentlichten Bericht der „Dogwatcher“ die letzten Herbst auf Initiative der damaligen Umweltgemeinderätin Monika Hobek-Zimmermann (GRÜNE), im Auftrag der Marktgemeinde Guntramsdorf 3 Monate lang im Ort unterwegs waren, um „die Probleme und Wünsche der Hundehalter detailliert zu erheben, um auf die Anforderungen und Bedürfnisse im Rahmen der Hundehaltung in Guntramsdorf noch besser eingehen zu können und somit das Angebot für die Hundehalter attraktiver gestalten zu können.“

Abschlussbericht DogWatcher Guntramsdorf 2017-03-09

In Guntramsdorf leben (Stand Oktober 2016) 607 Hunde in 443 Haushalten.

Die Dogwatcher waren in den 3 Monaten ihres Einsatzes 4 Stunden pro Woche unterwegs und berichten von 69 Kontakten zu Hundehaltern, 110 Hundesichtungen und der Äußerung von 42 Wünschen und 22 Beschwerden. Das heisst, sie haben Kontakt zu 15% der Hundebesitzer gehabt, bleiben 85% (sic!), mit denen kein direkter Austausch stattgefunden hat.

Die Wünsche, die geäußert wurden, beziehen sich rund zu einem Viertel jeweils auf den Bedarf nach einer Hundeauslaufzone, mehr Mistkübel und mehr Sackerlspendern, ein etwas geringerer Prozentsatz wünscht sich eine Schwimm-Möglichkeit für den Hund.

Das klingt in Prozentzahlen recht imposant, aber in absoluten Zahlen etwas anders: jeweils 11 Hundehalter haben sich für eine Hundeauslaufzone, für mehr Mistkübel und mehr Sackerlspender ausgesprochen, 8 Halter für eine Schwimm-Möglichkeit für ihren Hund. Das sind gerade mal 2,5% bzw. 1,8% der Hundehalter. Die Meinung der restlichen rund 98% kennen wir hier nicht. Bei einer Befragung einer Minderheit von 15% der Hundehalter gleich auf die Mehrheit zu schließen halte ich persönlich für sehr fragwürdig.

Aber offenbar geschieht genau das, denn ebenfalls seit Herbst 2016 wird – großteils über Social Media – eine mehr oder weniger aktive (und inzwischen wieder eingeschlafene) Debatte zur Schaffung einer Hundeauslaufzone in Guntramsdorf geführt. Allen voran Monika Hobek-Zimmermann, die selbst keine Erfahrung mit Hunden hat und sich wohl auch deshalb die Dogwatcher ins Boot geholt hat, aber auch einige sehr engagierte Hundebesitzer, die sehr viel qualifizierten Input zu dem geplanten Projekt liefern.

 

Nichtsdestotrotz: bevor man Zeit, Energie und möglicherweise sogar finanzielle Mittel in die Realisierung einer Hundezone steckt, gehört eine ordentliche Bedarfserhebung gemacht. Dies ist bis dato nicht geschehen.
Die Erlagscheine für die jährliche Hundesteuer werden ohnehin demnächst verschickt. Nichts einfacher, als hier einen Stimmzettel mit einer Stimme pro Hund beizulegen und so den Wunsch nach einer Hundeauslaufzone Guntramsdorf objektiv abzubilden.

 

Ob eine Hundeauslaufzone grundsätzlich Sinn macht oder unter gewissen Umständen möglicherweise mehr Schaden als Nutzen anrichten kann, sei dahingestellt. Letztlich muss ohnehin jeder Hundebesitzer selbst entscheiden, ob er seinen Vierbeiner ein derartiges Angebot nutzen lassen will.

Ich persönlich sehe keinen Grund, mit meiner Hündin eine Hundeauslaufzone aufzusuchen.

Es gibt im Umkreis genug Flächen, wo man  sie ganz normal und legal frei laufen lassen kann. Sie hat genügend Sozialkontakte während unserer Spaziergänge. Wobei ich hier ganz klar selbst entscheide, mit wem mein Hund spielt und mit wem nicht. Mir geht hier Qualität ganz klar vor Quantität. Diese Möglichkeit hätte ich in einer Hundezone nicht so einfach. Alles rennt kreuz und quer, und so schnell kann man möglicherweise gar nicht schauen, kommt der nächste „tut nix“ oder „will nur spielen“ daher und die Beißerei ist perfekt. Oft reicht ein kleiner Faktor aus, oder möglicherweise auch einfach die Gruppendynamik, und die Stimmung kippt in einer Rauferei oder in ein gemeinschaftliches Mobbing … also nein, ich suche mir die Spielpartner für meinen Hund lieber selbst aus.

Welche Hunde finden sich denn vorzugsweise auf Hundewiesen? Meist wohl jene, die unterschiedlichste Defizite ihr eigen nennen.

Endlich kann der jagdlich motivierte Hund sein Laufpensum ohne Leine absolvieren (möglicherweise aber, indem er der nächstbesten „Beute“ in Form eines kleineren Hundes hetzenderweise die Dimension der Hundewiese vorführt). Ein hochbegabter Border Collie kann endlich seinen „Hütewahnsinn“ ausleben indem er die vielen anderen Hunde nutzt, um sie einmal richtig in die Enge zu treiben.

Und ich weiß nicht, ob es für meine Hündin so erstrebenswert wäre, mit zig Artgenossen, die sie warscheinlich großteils gar nicht kennt, mit fremden Menschen, einer unbegrenzten Anzahl von Düften, auf einer wahrscheinlich relativ kleinen, umzäunten Fläche mehr oder weniger auf sich selbst gestellt sein dürfte!?

Dies sind so die Gedanken, die ich mir über die Hundewiese so mache – letztlich gibt es für mich nur ein schlagendes Argument für den regelmässigen Besuch einer solchen Einrichtung: Der Hund ist nicht verlässlich abrufbar. Das kann man trainieren denke ich,  und auch wenn meine Hündin mit ihren 16 Monaten noch sehr jung (und gerade voll in der Flegelphase) ist, darüber hinaus rassespezifisch eher auf der „sturen“ Seite, sind wir hier schon sehr gut unterwegs.

Autor: Tamara Meissnitzer